Offene Paarkommunikation als Erfolgsschlüssel für glückliche Paarbeziehungen

Es gibt kaum eine Form der Beziehung wie die Paarbeziehung. In dieser Beziehung lernt man sich so gut kennen, es herrscht so viel Intimität und so viele Bereiche des eigenen Lebens werden geteilt. Früher oder später stößt man in Beziehungen an den Punkt, an dem der/die Partner/in und man selbst unterschiedliche Bedürfnisse hat. So kann dem einen z.B. viel Zeit mit Freunden wichtig sein, der andere wünscht sich mehr Zeit zu zweit. Denn unterschiedliche Bedürfnisse gibt es da, wo zwei Menschen aufeinandertreffen. Dennoch finden viele Paare es schwierig, über eigene Bedürfnisse offen zu sprechen. Doch es ist zentral, diese Fähigkeit zu erlernen, um in einer erfüllenden Paarbeziehung zu sein. Daher ist eins besonders wichtig: Eine sehr offene Kommunikation! Du lernst in dem Artikel 3 Techniken, wie du deine Paarkommunikation verbessern kannst.

Das Problem verstehen: Wieso ist die klare, effektive Paarkommunikation oft so schwierig?

Zu Beginn können wir uns die Frage stellen: Wieso kommt es überhaupt so häufig zu Missverständnissen und Kommunikationsproblemen? Weshalb ist die erfolgreiche Kommunikation für Paare überhaupt so schwierig? Zu Missverständnissen kommt es häufig in daher, dass Partner auf unterschiedlichen Ebenen miteinander sprechen.

Das Kommunikationsmodell

Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun verdeutlicht, wie vielseitig unsere Kommunikationsbotschaften sind. Damit erklärt es, wieso es so oft zu Missverständnissen kommt. Möchte der eine nur einen Fakt kommunizieren, versteht der andere vielleicht einen Appell. Das Modell besteht aus folgenden Komponenten:

Paar arbeitet an ihrer Paarkommunikation zum verbessern
  • Selbstaussage: Welche Gefühle, Werte, Bedürfnisse offenbart der Sprecher über sich?
  • Appell: Steckt eine Aufforderung dahinter?
  • Sachaspekt: Was sagt die Person (ganz sachlich) aus?
  • Beziehungsaspekt: In welcher Beziehung stehen Sprecher & Zuhörer zueinander? Was denkt der Sprecher über den Empfänger? (kommuniziert durch Mimik, Gestik, Tonfall)

Das Kommunikationsmodell im Beispiel

Als Beispielsituation schauen wir uns einmal einen Streit von Tom und Lisa an. Dieser Streit wurde dadurch ausgelöst, dass Tom gesagt hat "Der Müll ist schon seit drei Tagen nicht heruntergebracht worden." Lisa ist in dieser Woche dafür verantwortlich, den Müll herunterzubringen.

  • Selbstaussage: Vielleicht spricht Tom von seinem Bedürfnis nach Ordnung und Organisation der Wohnung. Möglicherweise spricht er auch von seinem Wusch, dass beiden diese Dinge wichtig sind. Oder Tom möchte ausdrücken, wie wichtig ihm Zuverlässigkeit ist.
  • Appell: Tom könnte Lisa auch dazu auffordern wollen, den Müll herunterzubringen. 
  • Sachaspekt: Sachlich spricht Tom von der Tatsache, dass der Müll seit drei Tagen in der Wohnung geblieben ist.
  • Beziehungsaspekt: Tom verrät über die Beziehung zu Lisa womöglich, dass er genervt und verärgert ist, weil Lisa so zerstreut und wenig zuverlässig ist.

Durch das Beispiel wird deutlich, wie verschieden die Botschaften sein können, die bei Lisa ankommen. Daher kann Lisa die Botschaft anders interpretieren, je nachdem, auf welcher Ebene sie den Satz von Tom versteht. 

Die Lösung, um deine Paarkommunikation zu verbessern

Eine Lösung, wie du mit der Vieldeutigkeit der Kommunikationsbotschaften umgehen kannst und deine Paarkommunikation verbessern kannst, ist die sogenannte gewaltfreie Kommunikation. Die Gewaltfreie Kommunikation kann dir dabei helfen, dass du deine Botschaften klar und deutlich ausdrückst. Mit dieser Methode sprichst du von Gefühlen und Bedürfnissen, und kannst somit die Kommunikation in deiner Beziehung wesentlich verbessern.

Gewaltfreie Kommunikation- Konfliktgespräche für Konfliktscheue

Die Gewaltfreie Kommunikation vermeidet Anschuldigungen, Bewertungen und Kritik. Stattdessen spricht sie von Gefühlen und Bedürfnissen. Auf diese Art und Weise können auch konfliktscheue Menschen lernen, das auszudrücken, was ihnen wichtig ist. So können Konflikte entspannter und weniger emotional aufgeladen sein.

Paarkommunikation verbessern durch offene Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation als Methode, um deine Paarkommunikation zu verbessern

Sich über Bedürfnisse auszutauschen ist eine Fertigkeit, die du gut erlernen und trainieren kannst. Außerdem hilft sie auch allgemein im zwischenmenschlichen Umgang. Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg ist ein Training, das dafür entwickelt wurde, in Konfliktsituationen Bedürfnisse zu kommunizieren. Die Technik basiert darauf, dass du zunächst wertefrei und objektiv die Situation beschreibst. Im nächsten Schritt benennst du dann deine Gefühle. Im dritten Schritt benennst du das Bedürfnis, das dahinter steckt. Zuletzt äußerst du noch einen Wunsch bzw. eine Aufforderung, wie dir dieses Bedürfnis erfüllt werden könnte.


Ein Beispiel hierfür ist eine Situation, in der eine Person zu spät kommt und die andere Person darüber verärgert ist. Die gewaltfreie Kommunikation könnte hier so aussehen:

Situation: Du bist 15 Minuten nach vier Uhr erschienen, als Uhrzeit war vier Uhr verabredet.

Gefühl: Ich bin verärgert und traurig,

Bedürfnis: weil mir Zuverlässigkeit wichtig ist und es mir sehr wichtig ist, meine Zeit effektiv zu nutzen.

Wunsch/ Aufforderung: Könntest du mir nächstes Mal rechtzeitig Bescheid geben, sodass ich mir meine Zeit besser einteilen kann?


Du trägst die Verantwortung für deine Gefühle

Ein zentraler Punkt besteht außerdem darin, dass wir selbst für unsere Gefühle verantwortlich sind. Schließlich sind sie von unseren Bedürfnissen abhängig, und nicht von den Handlungen anderer. Anstatt zu denken „du machst mich wütend oder traurig“ geht es darum, zu kommunizieren, weshalb das Verhalten des anderen bei mir zu einer Emotion führt. Dabei erfüllt sein Verhalten sicherlich sein Bedürfnis. Aber mein Bedürfnis ist eben nicht erfüllt. Die generelle Haltung ist hierbei wertschätzend. Denn es wird versucht, den anderen zu verstehen und man ist offen für die Bedürfnisse des anderen.

So kannst du deine Bedürfnisse erkennen

Oft ist es gar nicht so einfach, das Bedürfnis zu benennen. Denn zunächst spürt man oft nur die Emotion, also z.B. Ärger oder Trauer. Die Emotion kannst du aber quasi als „Hinweis“ nutzen, der dich zu Bedürfnissen führt. Du kannst dich fragen: Was war dir wichtig und wurde nicht erfüllt? Auch das Erkennen von eigenen Bedürfnissen kannst du trainieren. So kannst du z.B. beginnen, einmal täglich zu reflektieren, was für Bedürfnisse du über den Tag so erlebt hast. Eine Liste mit Bedürfnissen kann dabei helfen, eigene Bedürfnisse zu erkennen und das eigene Verhalten auch besser zu verstehen.

Dein Training im Zuhören

Zu einer guten Kommunikation gehören neben einem klaren Kommunizieren der eigenen Wahrnehmung, Gefühle und Bedürfnisse auch das aufmerksame Zuhören. Hast du Schwierigkeiten dabei, deinem/r Partner/in zuzuhören? Fragst du dich, wie du besser aufmerksam Zuhören kannst? Vielleicht ist die Technik des aktiven Zuhörens das Richtige für dich. Häufig bereitet man während dem Zuhören gedanklich schon eine Antwort vor. Oder man möchte eine ähnliche Erfahrung teilen, oder eine Meinung mitteilen. Beim aktiven Zuhören geht es aber darum, dem Sprecher die volle Aufmerksamkeit zu geben. Außerdem bekommt er/sie so die Möglichkeit, sich komplett auszudrücken. Dadurch kann er/sie sich auf einer tieferen Ebene mit seinen/ihren Bedürfnissen und Gefühlen auseinandersetzen.

Übung Aktives Zuhören

Nehmt euch 15 Minuten Zeit, in der ihr ungestört seid. 

Sprecher: Die erste Person hat 10 Minuten Zeit. In dieser Zeit kann sie ungestört über das sprechen, was sie möchte. Gut geeignet sind z.B. aktuelle Schwierigkeiten im beruflichen oder privaten Kontext.
Zuhörer: Versuche, die Gefühle des Sprechers zu erkennen. Achte auch auf die Art, wie etwas erzählt wird. Achte auch auf die Mimik und Gestik. Versuche, verdeckte Bedürfnisse zu erkennen. Wenn der Sprecher fertig gesprochen hat, dann hast du 5 Minuten Zeit. Du kannst zunächst das Gehörte zusammenfassen in deinen eigenen Worten. Versuche dann, zu beschreiben, welche Gefühle und Bedürfnisse du wahrgenommen hast.

Sprecher: Du darfst gerne kommentieren, ob die Vermutungen des Sprechers zutreffen. Hast du die Gefühle & Bedürfnisse wirklich gespürt?

Reflektion: Besprecht gemeinsam, wie die Übung für euch war und wie ihr euch dabei gefühlt habt.


Diese Technik kann dabei helfen, dass sich der Sprecher besser verstanden fühlt. Außerdem kann er/sie sich selbst besser kennenlernen. Insgesamt wird dadurch eure Kommunikation wird verbessert! Ich hoffe, dass dir ein paar der Methoden neue Ideen geben, wie du deine Paarkommunikation verbessern kannst. Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren!

Viele Grüße, 

deine Theresa

Ich freue mich, von dir zu hören, was du über den Artikel denkst. Was sind für dich persönlich Schwierigkeiten in der Kommunikation mit deinem/r Partner/in? Lass mir gerne einen Kommentar da!

Suchst du Unterstützung, um dein Kommunikationsverhalten mit deinem/r Partner/in zu verändern? dann freue ich mich, dich oder euch dabei zu begleiten!

Mehr Informationen zur Gewaltfreien Kommunikation findest du auf der Website für gewaltfreie Kommunikation (englisch) hier.

Meine Quellen:

  • Rosenberg, M. B. (2015). Nonviolent communication: A language of life (3rd ed.). PuddleDancer Press.
  • Schulz von Thun Institut für Kommunikation. (n.d.). das Kommunikationsquadrat. Retrieved February 1, 2022, from  https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat.  
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